Direkt zum Hauptbereich

Posts

Humor als Strategie: Der Einsatz von Humor als Bewältigungsmechanismus bei extremer Einsatzbelastung

Einsätze im Feuerwehr‑ und Rettungsdienst sind geprägt von Situationen, die Menschen außerhalb dieser Blaulichtwelt kaum nachempfinden können: Leid, Gefahr, Unberechenbarkeit, Überforderung – manchmal alles gleichzeitig. Inmitten dieser emotionalen Intensität begegnen uns jedoch immer wieder kleine Momente des Lächelns. Nicht, weil das Erlebte leicht wäre, sondern weil Humor ein uraltes, hochwirksames menschliches Schutzsystem ist. Dieser Beitrag beleuchtet, wie Humor im Feuerwehralltag funktioniert, warum er psychologisch hilfreich sein kann und wo die Grenzen liegen. Warum Humor in belastenden Einsätzen entsteht Humor in Extremsituationen ist kein Zufall. Er ist ein spontaner Versuch des Gehirns, Kontrolle in einem unkontrollierbaren Umfeld zu bewahren. Während der Körper unter Stress Adrenalin ausschüttet und das Erlebte emotional schwer wird, kann ein kurzer humorvoller Moment Folgendes bewirken: • Abbau psychischer Anspannung • Kurze Unterbrechung der Stressspirale • Aufr...
Letzte Posts

Ehrenamtliche Einsatzbereitschaft in der Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel sind für viele Menschen eine Zeit der Ruhe, des Zusammenseins und der Besinnlichkeit. Für die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren bedeutet diese Zeit jedoch oft eine besondere Herausforderung: Einsatzbereitschaft trotz familiärer Verpflichtungen und festlicher Stimmung. Zwischen Kerzenschein und Einsatzalarm Während andere gemütlich bei Kerzenschein und Plätzchen sitzen, kann der Funkmelder jederzeit Alarm schlagen. Ob Wohnungsbrand durch vergessene Kerzen, Verkehrsunfall auf glatten Straßen oder medizinischer Notfall – die Einsatzlage kennt keine Feiertage. Für die Kameradinnen und Kameraden heißt das: jederzeit bereit sein, die eigene Feier unterbrechen und helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Psychosoziale Aspekte: Belastung und Verantwortung Gerade in dieser Zeit kann die psychische Belastung steigen. Einsätze an Feiertagen sind oft emotionaler – sei es durch tragische Unfälle oder die Konfrontation mit Einsamkeit und Not. Hier spielt d...

Zwischen Funk, Text und Bildern – Wenn Distanz keine Schutzwand ist

 Nicht jeder, der unter Einsatzstress leidet, steht im Rauch, zwischen Trümmern oder direkt am Einsatzort. Viele erleben belastende Situationen auf Distanz über Funk, Textnachrichten, Einsatzberichte oder Kamerabilder. Und doch sind sie mitten im Geschehen. Drohnenpiloten, Leitstellenkräfte, Stabsmitglieder oder Führungskräfte in der Einsatzleitung verfolgen das Geschehen oft in Echtzeit. Sie hören die Stimmen über Funk, lesen die Meldungen, sehen die Bilder  und spüren dabei dieselbe Anspannung wie die Kräfte draußen. Manchmal sogar mehr, weil sie alles mitbekommen, aber nicht selbst eingreifen können. Diese Hilflosigkeit auf Distanz ist eine besondere Form von Belastung. Eine hektische Funkmeldung, ein kurzer Text über Verletzte, ein Bild der Lage. Oft reichen schon wenige Sekunden, um innere Bilder zu erzeugen, die man nicht mehr loswird. Das Gehirn ergänzt, was fehlt, malt Details dazu, macht aus kurzen Worten ganze Szenen. So entstehen emotionale Eindrücke, die sich kaum ...

Wenn Körper und Kopf zusammenarbeiten – wie Sport meine psychische Widerstandskraft stärkt

  Viele Jahre habe ich geglaubt, dass  psychische Widerstandskraft also  Resilienz vor allem im Kopf entsteht durch innere Stärke, Erfahrung und eine gewisse Härte. Im Einsatz musste ich immer funktionieren. Was danach kam, habe ich meistens einfach ausgeblendet. Sport spielte dabei lange kaum eine Rolle. Ich war eher unsportlich unterwegs und habe gedacht: „Das ist nicht so wichtig, Hauptsache, ich bin im Einsatz fit genug.“ Erst in den letzten Monaten habe ich am eigenen Leib gespürt, wie sehr regelmäßige Bewegung meine psychische Belastbarkeit verändert. Stress, der im Körper stecken bleibt Nach einem Alarm ist der Kopf selten sofort frei. Ich merke, wie Adrenalin und Anspannung noch lange nachwirken, selbst wenn der Einsatz längst vorbei ist. Früher habe ich versucht, das einfach auszuhalten. Doch das Ergebnis war oft: innere Unruhe, Schlafprobleme und Gereiztheit. Heute weiß ich: Bewegung ist die effektivste Methode, um diese Stresshormone wieder loszuwerden. Wenn ic...

Klimawandel und neue Einsatzrealitäten Herausforderungen für die Einsatznachsorge (PSNV-E) in der Feuerwehr

Der Klimawandel verändert unsere Umwelt – und damit auch die Einsatzrealitäten für Feuerwehren. Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Starkregen, Waldbrände und Stürme nehmen zu. Diese Entwicklungen führen zu neuen physischen und psychischen Belastungen für Einsatzkräfte, die auch die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) vor neue Herausforderungen stellt. ⸻ Neue Einsatzrealitäten: Zahlen und Fakten • Zunahme von Extremwetterlagen :  In Deutschland hat sich die Zahl der heißen Tage (über 30 °C) seit den 1950er Jahren mehr als verdreifacht 1 . Hitzewellen führen zu vermehrten Einsätzen, etwa bei Bränden, medizinischen Notfällen oder technischen Hilfeleistungen. • Waldbrände :  Die Waldbrandgefahr hat sich deutlich erhöht. Allein im Jahr 2022 wurden in Deutschland über 3.000 Hektar Waldfläche durch Brände zerstört – ein Rekordwert 1 . • Einsatzdauer und -intensität :  Bei Großschadenslagen wie der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal waren Einsatzkräfte te...

Warum wir reden müssen - "Mein Einsatz, der bleibt"

  Nicht jeder Einsatz hinterlässt Spuren. Aber manche begleiten uns ein Leben lang – ob wir wollen oder nicht. Es sind die Bilder, die Gerüche, das Erlebte. Situationen, die uns fordern, überfordern, verändern. Wir alle kennen sie – und doch reden wir selten darüber. Aus Scham. Aus Angst, als schwach zu gelten. Oder einfach, weil uns die Worte fehlen. Dabei liegt genau hier eine große Kraft. Wenn wir erzählen, was uns bewegt, können andere erkennen, dass sie nicht allein sind. Dass es normal ist, wenn Einsätze im Kopf weitergehen. Und dass es Wege gibt, mit all dem umzugehen. Der folgende Erfahrungsbericht ist persönlich, ehrlich und ungeschönt. Er zeigt, was seelische Belastung wirklich bedeuten kann – und wie man trotzdem einen Umgang damit findet. Es wäre wünschenswert, mehr solcher Berichte zu lesen. Nicht, um zu schockieren. Sondern um zu verstehen. Um ins Gespräch zu kommen. Und um zu zeigen: Es ist in Ordnung, hinzusehen – und hinzuhören. Auch bei dem, was niemand gern erzäh...